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Alles bleibt in der Familie - von Lynne Sharon Schwartz

"Alles bleibt in der Familie", ein vergnüglicher, aber nie oberflächlicher New-York-Roman

Wir befinden uns in der Upper West Side in New York, in einem riesigen Haus, in dem die ganze Familie untergebracht ist. Dies ist auch nach zwanzig Jahren seit der Originalausgabe eine durchaus aktuell anmutende Patchwork-Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt die einen Cateringservice betreibende Bea steht, die die ganze Familie – inklusive der weiteren Ehefrauen ihres Ex-Mannes – in einem Haus zusammenhält. Weil sie es so will.

Sie hat für jeden immer ein offenes Ohr. Besonders und vor allem immer noch für ihren Exmann Roy, den Psychiater, der immer wieder einen Rat von seiner ersten Ehefrau braucht. Bea hat nach Roy ebenfalls wieder eine Liebe gefunden, den Hauswart Dmitri aus Russland. Die zweite Ehefrau von Roy heisst Serena. Sie ist die Exfrau eines Patienten von Roy. Beas Schwester May hat sich aber ebenfalls in Serena verliebt, die Künstlerin spannt Roy also die Frau aus und die beiden sind glücklich verliebt.

Sie sind das einzige gleichgeschlechtliche Paar in der Familie. Nach Serena findet Roy allerdings erneut eine Frau, die Lehrerin seiner Tochter Sara. Sara nennt sich aber nicht mehr Sara sondern Shimmer, das hört sich cooler an. Saras Lehrerin Lisa heiratet also Roy und rutscht etwas ungewollt ebenfalls in die grosse Familie hinein. Sara hat einen Bruder, der Danny heisst und eine kleine Identitätskrise hat. Sara und Danny haben noch zwei weitere Halbgeschwister, auch hier ist Roy der Vater, die Mutter war eine Prostituierte aus Vietnam. Die Zwillinge heissen Jane und Tony, die mitfühlende Bea hat sie nach dem Tod deren Mutter in die USA geholt und adoptiert, Tony und Jane gehören also längst dazu.

Ziemlich leicht fällt es Serena, Roy zu einem weiteren Beischlaf zu überreden, weil sie und May sich ein gemeinsames Kind wünschen. Am gleichen Tag, im gleichen Krankenhaus bringen schließlich Lisa und Serena ihre Kinder auf die Welt, Frau Nummer zwei und Frau Nummer drei; und beide Kinder sind von Roy (am Ende des Buches hat er sechs Kinder von vier Frauen). Und, ach ja, auch Tony, Roys erster, unehelicher Sohn, wird in diesen Stunden Vater.

Die tragischste Entwicklung darin ist noch, dass Beas Mutter Anna langsam vergesslich wird. Sie ist eigentlich die Hausherrin, die schon seit Ewigkeiten in diesem Haus lebt und nun zunehmend Gedächtnislücken aufweist. Sie ist mit einer unverschämten Direktheit ausgestattet und sorgt für so manche Pointe. Anna liebt Oscar, den Hausportier, der seine Arbeit sehr ernst nimmt. Das hindert sie allerdings nicht daran, mit einem Auftritt in einer Talkshow zu liebäugeln (Bea würde sagen: zu drohen), bei der es um One-Night-Stands gehen soll.

"Eine Großstadtkomödie" heißt Lynne Sharon Schwartz’ im Original 1999 erschienener Roman "Alles bleibt in der Familie" ("In the Family Way") im Untertitel. Und genau das ist er. "Alles bleibt in der Familie" ist eine Farce aus dem Leben wohlhabender New Yorker, ein ironischer, manchmal ein wenig sarkastischer, aber doch auch sommerleichter Roman. Nie wirkt er überkandidelt, ist gleichsam geerdet, nicht zuletzt durch Matriarchin Bea. Man sieht Bea vor sich, wie sie kocht, organisiert, sikch kümmert. Sich um ihre Mutter und ihre Kinder sorgt und trotz allem um ihren Ex-Mann. Man sieht Roy vor sich, den egoistischen Charmeur, der seinen Psychotherapeuten-Jargon auspackt, wenn es für ihn eng wird.

Alles bleibt in der Familie Alles bleibt in der Familie

"Alles bleibt in der Familie", ein vergnüglicher New-York-Roman von Lynne Sharon Schwartz

ISBN 9783036957562

Mit einer Übersetzung des haargenau beobachteten, den Details einer langsamen Liebesabnutzung nachspürenden Eheromans "Für immer ist ganz schön lange" hat der Verlag Kein & Aber die 1939 geborene New Yorkerin Lynne Sharon Schwartz dem deutschen Publikum vorgestellt (1991 machte rororo schon einen Versuch in der Reihe "neue frau", "Feldstörungen"ist aber längst vergriffen).

(mn/hn)